
Die Karten wussten es zuerst. Die schwarze Lockenperücke aus dem China-Laden lag noch keine vierundzwanzig Stunden in meinem Van, da wusste ich bereits, welche Rolle als Nächstes auf mich wartete.
Ich kombinierte sie mit einer dunkelvioletten Bluse, einem bestickten Tuch und mehreren goldenen Ketten. Dazu kamen große Ohrringe, ein Stapel alter Karten und der goldene Fächer, den ich eigentlich nur gekauft hatte, weil er so schön im Licht schimmerte.
In einem stillen spanischen Innenhof stellte ich einen kleinen Tisch auf. Die Sonne war bereits hinter den Dächern verschwunden, zwischen den Pflanzen leuchteten einige Laternen und auf dem Tisch flackerte eine einzelne Kerze.
Ich mischte die Karten und legte drei davon vor mir aus. Ich kann weder die Zukunft vorhersagen noch geheimnisvolle Botschaften aus Karten lesen. Aber meine Wahrsagerin konnte es natürlich.
Sie kannte die Fragen ihrer Besucher, bevor sie ausgesprochen wurden. Sie wusste, wer bald eine Reise beginnen würde, wer sich heimlich verliebt hatte und wer längst eine Entscheidung getroffen hatte, sich aber noch nicht traute, sie auszusprechen.
Dann zog ich eine Karte für mich selbst.
Reise. Veränderung. Ein neuer Weg.
Das war nun wirklich keine besonders schwierige Vorhersage. Trotzdem musste ich lachen, denn besser hätte keine Karte zu meinem Leben passen können.
Vielleicht brauche ich keine Wahrsagerin, die mir sagt, was als Nächstes geschieht. Vielleicht reicht es, neugierig genug zu bleiben, um es selbst herauszufinden.
Die schwarze Lockenperücke darf jedenfalls bleiben. Ich glaube, sie weiß noch mehr über mich.
🔮 Würdet ihr euch von meiner Wahrsagerin die Karten legen lassen und welche Frage würdet ihr ihr stellen? Schreibt es mir.