
Kapitänin für einen Nachmittag. Nach der geheimnisvollen Schmugglerin wollte ich zurück ans Meer dieses Mal allerdings ganz offiziell.
Ich zog weiße Shorts und ein dunkelblaues Oberteil an, befestigte die goldenen Knöpfe und setzte die Kapitänsmütze auf. Ein Blick in den Spiegel genügte: Heute würde ich nicht heimlich zwischen alten Kisten verschwinden. Heute wollte ich bestimmen, wohin die Reise geht.
Am kleinen Hafen entdeckte ich ein weißes Segelboot, das ruhig neben dem Steg lag. Ich stellte mich daneben, legte eine Hand an das Geländer und betrachtete den Horizont, als hätte die gesamte Mannschaft nur noch auf mein Kommando gewartet.
Eine Mannschaft gab es allerdings nicht.
Auch das Boot gehörte mir nicht.
Trotzdem dauerte es nur wenige Minuten, bis aus dem kleinen Hafen in meiner Vorstellung der Ausgangspunkt einer großen Reise wurde. Hinter dem Horizont warteten unbekannte Buchten, einsame Inseln und mindestens ein Abenteuer, für das es keine Seekarte gab.
Meine Kapitänin hätte einen klaren Kurs, würde aber vermutlich trotzdem spontan abbiegen, sobald sie irgendwo eine besonders schöne Küste entdeckt. An Bord gäbe es keine festen Pläne, dafür kalte Getränke, viel Musik und die wichtigste Regel: Wer mitfährt, muss das Meer lieben.
Als ich die Mütze später wieder abnahm, blieb das Segelboot am Steg zurück. Der Gedanke an meine eigene kleine Mannschaft gefiel mir jedoch überraschend gut.
⚓ Würdet ihr bei mir an Bord gehen oder wäre euch meine Art zu navigieren zu abenteuerlich? Schreibt es mir.