
Dieses Kleid war vermutlich das unvernünftigste Stück in meinem Gepäck. Der weite Rock nahm viel zu viel Platz ein, die vielen Stofflagen ließen sich kaum ordentlich zusammenlegen und die Blume für mein Haar musste ich zwischen zwei Handtüchern verstecken, damit sie nicht zerdrückt wurde.
Trotzdem wusste ich genau, warum es mitmusste.
Als ich am Abend durch einen kleinen andalusischen Innenhof ging, war plötzlich dieser Moment da. Die weißen Mauern leuchteten im warmen Licht, zwischen den Säulen hingen bunte Blumentöpfe und aus der Ferne war leise Gitarrenmusik zu hören.
Also zog ich mich um.
Ich steckte meine dunklen Haare zu einem festen Dutt, befestigte die Blume und schlüpfte in das farbenfrohe Flamenco-Kleid mit den vielen Punkten. Sobald ich den Rock anhob, veränderte sich meine Haltung ganz von allein. Der Rücken wurde gerader, der Blick entschlossener und aus Alma, die eben noch neugierig durch den Innenhof gelaufen war, wurde für einen Augenblick eine leidenschaftliche Flamenco-Tänzerin.
Natürlich bin ich keine echte Flamenca. Meine Schritte waren nicht perfekt und bei der ersten Drehung wäre ich beinahe auf den Saum getreten. Aber dann hörte ich auf, über jede Bewegung nachzudenken.
Ich hob den Arm, ließ den Rock durch die warme Abendluft schwingen und tat einfach so, als würde dieser Innenhof an diesem Abend nur mir gehören.
Vielleicht ist genau das der schönste Teil meiner Verwandlungen: Ich muss eine Rolle nicht perfekt beherrschen. Ich darf sie ausprobieren, fühlen und für einen kleinen Moment eine andere Seite von mir entdecken.
Und diese Flamenco-Tänzerin? Sie war temperamentvoll, stolz und ein kleines bisschen dramatisch.
Ich glaube, sie steckt schon länger in mir, als ich dachte.
💃 Hättet ihr mich in dieser Rolle erkannt oder passt Flamenco überraschend gut zu mir? Schreibt es mir.